Eine gelungene „Himmelfahrt“

Aller Anfang war schwer. Eigentlich wollten wir mal ein neues Gewässer ausprobieren, aber dass das so schwer werden sollte, hatten wir nicht geahnt. Insgesamt gabe es einige Kandidaten:

  1. Idee: Die Berkel (zwischen Billerbeck und Zutphen, NL)
    + nette Landschaft
    – wenige Aus-/Einstiegsmöglichkeiten
    – viele Umtragestellen
    – schlechte Infrastruktur (ÖPNV, Camping, Hotels)
  2. Idee: Die Fulda
    + schöne Gegend, nette Städte
    – schlechte Infrastruktur (Camping, Hotels)
    – weite Wege zwischen Unterkünften, Anlegern und Bahnhöfen
  3. Idee: Der Biggesee
    – schon früh im Jahr kaum mehr Unterkünfte
  4. Idee: Die Lahn (Fortsetzung der letztjährigen Tour)
    – schon früh im Jahr kaum mehr Unterkünfte
  5. Idee: Die Weser
    + schöne Gegend, nette Städte
    + Wir waren schon mal (lange nicht mehr) da (Erfahrung)
    +/- Infrastruktur von „naja“ bis gut
    – verschiedene Bundesländer (Hessen, Niedersachsen, NRW => ÖPNV-Dschungel)

So führte uns also unsere diesjährige Himmelfahrt mit 15 Kanut(inn)en in 14 Booten schließlich zur Weser. Die Beteiligung war demnach wieder einmal sehr gut.

Für gewöhnlich planen wir unsere Flusstouren über drei Tagesetappen so, dass das Standquartier sich am Ende der zweiten Etappe befindet. Das hat den Vorteil, dass die Zubringertouren zu Beginn der Tour länger, dafür am Ende kürzer sind. Außerdem können diejenigen Teilnehmer, die z.B. einen Termin am Samstag haben, ihr Boot nicht erst vom Etappenziel zurückholen , sondern es am Platz aufladen und nach Hause fahren.
So hielten wir es auch in diesem Jahr. Der genaue Termin lag durch die Fixierung auf den Feiertag schon frühzeitig fest: Mi, 13. Mai – So, 17. Mai 2026

Grundüberlegungen:

  1. Thema: Strukturierung der Strecke
    > Standquartier auf 2/3 der Gesamtstrecke – wo? – gibt es dort Campingplätze? Hotels?
    > Länge der einzelnen Etappen (zwischen 20 und 35 km)
    > Resultat: 80km zwischen Hann. Münden und Holzminden mit Standquartier in Beverungen
    –> Etappe 1: 32,8 km von Hann. Münden (km 0) bis Bodenfelde (km 32,8)
    –> Etappe 2: 20,2 km von Bodenfelde bis Beverungen (km 53)
    –> Etappe 3: 27 km von Beverungen bis Holzminden (km 80)
  2. Thema: Transport der Boote und Fahrer zu den Ein- und Ausstiegsstellen
    > Idee: Taxi-Unternehmen. In der Vergangenheit haben wir an der Hase und auch an der Weser gute Erfahrungen mit ortsansässigen Fuhr- bzw. Taxi-Unternehmen gemacht. Auf der letzten Wesertour (Beverungen – Holzminden – Bodenwerder – Hameln) lag der Preis für die Beförderung der 15 Teilnehmer bei 280€ (Abholen am Standquartier in Bodenwerder, Transfer zum Einstieg in Beverungen, Abholen in Holzminden, Transfer nach Bodenwerder, Abholen in Hameln, Transfer nach Bodenwerder). War das die Lösung für dieses Jahr? Nein: die angefragten Preise, teils von den gleichen Unternehmen wie zuvor, lagen zwischen 900€ und 1800€ !!!
    > Idee: öffentlicher Nahverkehr. Lösung? Teilweise:
    + 2. und 3. Etappe ok
    – 1. Etappe nicht organisierbar.
    Der Grund: Wir hätten von Beverungen nach Bodenfelde mit dem Zug fahren können, dann mit dem Anruf-Sammeltaxi (AST), anschließend mit dem Bus und dann zum Einstieg laufen (Nähe Weserstein). Das Problem: das AST muss frühzeitig verbindlich gebucht werden, bietet für unsere Gruppe aber zu wenig Platz: es stehen nur zwei Wagen à 8 Plätze zur Verfügung, von denen aber 3 für potenzielle weitere Passagiere frei bleiben müssen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir aber schon 17 Zusagen (zwei Kamerad(inn)en sind später abgesprungen) für die 13 Plätze.
    Eine reine Bahnfahrt wäre über Göttingen oder Altenbeken gegangen und hätte deutlich über zwei Stunden gedauert. Viel zu lang und mit ca. 45€ zu teuer!
    Also beschlossen wir, gegen unsere eigentliche Überzeugung nach guter alter Väter Sitte das Auto zum Vorbringen zu nutzen. Die Beschreibung der genauen Vorgehensweise folgt später.

Der Fluss
Die Weser ist auf ihrenn ersten 200 km ein gut fließender Fluss (Ausnahme: die Anfahrt auf das Wehr in Hameln) in einer ausgesprochen schönen Landschaft. Er bietet auf unserer gewählten Strecke weder Schleusen noch sonstige Schwierigkeiten.

Unterbringung
Als Standquartier diente der Campingplatz rund um das Bootshaus des WSV Beverungen. Dort gibt es Plätze für Wohnmobile, Wohnwagen und Zelte. Für den Aufenthalt über Feiertage ist eine frühzeitige Buchung zu empfehlen.

Camping am Bootshaus (Lage)
Herstellerstrasse 51
37688 Beverungen
Telefon: +49 (0)5273 5335
Email

Einige Teilnehmer(innen) nahmen Quartier in festen Unterkünften in Beverungen, Lauenförde und Bad Karlshafen

Hotel Vier Spitzen (Lage)
Langestr. 6
37697 Lauenförde
Telefon: +49 (0)5273 80 11 00

Hotel asado (Lage)
Weserstraße 27
37688 Beverungen
Telefon: +49 (0)5273 1353
Email

Ferienwohnung Haus Rasche (Lage)
Eichenweg 13
37688 Beverungen
Telefon: +49 (0)5273 21120, +49 (0)171 2792281

Gästehaus Reichmann (Lage)
Bahnhofstraße 25
37688 Beverungen
Telefon: +49 (0)1575 0725925

Pension Fernblick (Lage
Vor den Klippen 22
34385 Bad Karlshafen
Telefon: +49 (0)5672 1320
Email

Die Touren
Die Transfers vom Standquartier zu den Einstiegspunkten sowie von den Tageszielen zum Standquartier wurden teils mit PKWs, teils mit dem ÖPNV durchgeführt.

  1. TAG (ANREISE)
    Die Anreise von Essen nach Beverungen erfolgte mit eigenen Fahrzeugen und Booten. Einige Autos (mit denen, die am Tag noch berufstätig wahren, fuhren mit den Booten auf dem Dach direkt zu den Unterkünften in Beverungen. Für diejenigen, die mehr Zeit hatten, führte der Weg über Hannoversch Münden. Der im Flusswanderführer vorgeschlagene Einstieg am Weserstein erwies sich als ungünstig, daher legten wir die Boote neben den Einstieg hinter der Fuldaschleuse ab.
    Achtung! Der Grasstreifen, auf den wir die Boote ablegten, gehört zwar zur Schleuse und ist damit unkritisch. Jedoch gehört der Platz, an dem die Autos kurzfristig zum Abladen stehen, zum Wohnmobilstellplatz und damit zur Campingplatz-Verwaltung. Unbedingt den Platzwart um Erlaubnis fragen (Email – auch noch einmal am Tag des Einstiegs, weil dann u.U. auch noch einmal Autos dort stehen müssen). Wir haben uns sein Wohlwollen mit einem Euro-Zehner erkauft.
    Das Abschließen der Boote ist dringend zu empfehlen !!! – am besten am Geländer zum Schleusenbereich.
    Schließlich fuhren auch diese Teilnehmer nach Beverungen.
    Stand nach dem Anreisetag: 6 von 14 Booten lagen in Hann. Münden, der Rest der Boote befand sich in Beverungen, ebenso wie alle Teilnehmer.

  2. TAG  (1. ETAPPE ÜBER 32,8 KM von Hann. Münden über Bursfelde nach Bodenfelde)
    Wir trafen uns um 9:30 Uhr am Hakelparkplatz in Beverungen. Drei Autos fuhren mit je zwei Booten und vier Insassen direkt von dort zum Einstieg in Hann. Münden. Ein PKW mit zwei Insassen und ebenfalls zwei Booten fuhr zunächst nach Bodenfelde zum Parkplatz vor dem Restaurant „Kretaliano“. Eine einzelne Person fuhr mit PKW ebenfalls nach Bodenfelde und stieg in das andere Auto um. Dann fuhren auch sie nach Hann. Münden.
    Endlich ging es los mit Paddeln! Der Startpunkt lag eigentlich noch in der Fulda, kurz vor der Vereinigung mit der Werra an Weser km 0. Bei Regen, Wind und Sonnenschein (typisch für alle drei Tage) fuhren wir bei guter Strömung schon bald auf der fließenden Landesgrenze zwischen Hessen und Niedersachsen. Zunächst ging es bis Bursfelde. Leider hat das Restaurant Klostermühle am Mittwoch und Donnerstag (sogar am Feiertag!) Ruhetag. So nutzten wir die auf dem Klostergelände stehenden Bänke und Tische sowie die Toilette in der Scheune und nahmen unsere mitgebrachten Speisen und Getränke zu uns. Hätte es geregnet, hätten wir uns unter das Vordach der Scheune stellen können. Tip für Fahrtenbuchführer: im Eingang der Klosterkirche gibt es einen sehr schönen Pilgerstempel.
    Unter ähnlichen Wetterbedingungen wie zuvor ging es dann zum Tagesziel nach Bodenfelde. Während einige Teilnehmer die Boote fertigmachten und abschlossen, wurden die Fahrer mit dem in Bodenfelde verbliebenen Auto nach Hann. Münden gebracht, um die anderen Autos nachzuholen. Anschließend gab es ein sehr schönes gemeinsames Abendessen im Restaurant Kreataliano. Liebhaber von Gyros kommen hier mit Sicherheit auf ihre Kosten, da unglaublich viele Varianten angeboten werden! Einfach mal durch die Speisekarte schlendern.
    Satt wie wir waren, fuhren wir anschließend individuell zurück zum Standquartier.

  3. TAG (2. ETAPPE ÜBER 20 KM von Bodenfelde über Bad Karlshafen nach Beverungen)
    Da es von Beverungen (streng genommen Lauenförde) im Gegensatz zu Hann. Münden eine gute ÖPNV-Verbindung nach Bodenfelde gibt, bot es sich von selbst an, diese zu nutzen. Wir trafen uns also um 10:30 ebendort am Bahnhof, um den Zug um 10:45 Uhr zu nehmen. Dieser fährt stündlich und brachte uns in gerade einmal 12 Minuten mit dem einzigen Zwischenhalt Bad Karlshafen nach Bodenfelde. Für die Fahrt in Gruppen bietet sich die „Tageskarte 5 Personen“ an (Stand 05/26: 17,60€), die allein schon auf dieser Tour einen Vorteil von 1,10€ pro Person brachte, die aber auch noch später am Tag von Nutzen sein sollte. Nach einem kurzen Fußweg zur Anlegestelle waren wir wieder bei unseren Kanus.
    Der Fluss führte uns nach 11,9 km bei wieder einmal wechselhaften Bedingungen vorbei am nördlichsten Punkt Hessens (km 41) und dem Solllingdurchbruch erst einmal nach Bad Karlshafen (km 44,9). Dort bietet sich der Campingplatz unmittelbar hinter der Brücke rechts für eine Pause an. Ausgerechnet jetzt musste es beim Ausstieg regnen, das einzige Mal an Land, wenn es auch nur wenige Tropfen waren. Am Camping-Kiosk wurden wir aber gut mit den drei großen Ks versorgt: Kaffee – Kuchen – Kaltgetränke. Auch einige wetterfeste Sitzplätze standen zur Verfügung.
    Nach dieser Stärkung ging es dann über gut 8 km nach Beverungen. Die Campingfraktion landete am Steg des „Camping am Bootshaus“ (km 51,7). Ab hier bildet die Weser die Landesgrenze zwischen Niedersachsen (rechtes Ufer) und Nordrhein-Westfalen. Direkt gegenüber dem Campingplatz liegt die Einfahrt zu einem Motorboothafen. So kam es auch genau dort zu der einzigen richtig fiesen Begegnung mit einem Motorboot, dessen ohnehin hohe Wellen boshaft vom rechten Ufer reflektiert wurden, so dass es einen der Teilnehmer um ein Haar erwischt hätte. Wasserung in fließendem Fluss, direkt gegenüber dem vorgesehenen Ausstieg ist etwas, auf das der Wanderpaddler gut verzichten kann. Es ging aber alles gut und es muss deutlich darauf hingewiesen werden, dass ALLE ANDEREN Motorboote sehr gesittet, mit Abstand und mit gedrosselter Motorleistung fuhren und erst in gesichertem Abstand zu uns Paddlern richtig aufdrehten. Dafür haben wir aber auch versucht, die Gruppe möglichst beieinander zu halten, um den Überholweg für die Motorboote so kurz wie möglich zu gestalten.
    Die Hotel- und Gästehaus-Fraktion fuhr noch einen guten Kilometer weiter. Wer in Lauenförde untergekommen war, nahm den Privat-Steg unmittelbar hinter der Beverunger Brücke rechts (vorherige Absprache mit dem Hotel „4 Spitzen“ erforderlich), die anderen landeten an dem in Sichtweite gegenüber am linken Ufer liegenden „Steg an der Weser“ (km 53).
    Nach der Ankunft in Beverungen brachten wir die Autos nach Holzminden und platzierten sie dort auf dem kostenfreien Parkplatz Stahler Ufer, ganz in der Nähe des Ausstiegspunktes, dem Kanuanleger des Kanu Klub Holzminden. Dann marschierten wir zur Haltestelle „Gartenstraße“ der Buslinie 515, welcher uns auf demselben (!) Fahrschein wie am Morgen zurück nach Lauenförde (Bahnhof) bzw. Beverungen (ZOB) brachte. Auf diese Weise hatten wir unsere Autos schon dort, wo wir am Folgetag ankommen und die Boote aufladen wollten. Aber Achtung: der Bus 515 fährt werktags stündlich um x:37 Uhr (letzte Fahrt etwas abweichend um 18:42 Uhr), samstags allerdings deutlich ausgedünnter: 13:27, 16:27, 18:27 Uhr. Natürlich ist es ratsam, sich aktuell über die derzeit gültigen Fahrpläne zu erkundigen.
    Der Abend stand zur freien Verfügung.
    Kleiner Tip am Rande: Wer auf das Vorbringen der Autos am Vortag verzichten möchte und die Boote im Rahmen der Rückfahrt am Folgetag abholen möchte, kann diese über Nacht auf dem in unmittelbarer Nähe zum Anleger liegenden Gelände des Kanu Klub Holzminden ablegen. Eine vorherige Rücksprache mit dem Verein ist natürlich selbstverständlich.

  4. TAG (3. ETAPPE ÜBER 27,2 KM von Beverungen über Höxter nach Holzminden)
    Treffpunkt war um 10:00 Uhr auf dem Wasser vor dem „Steg an der Weser“. Von dort ging es bei weiterhin guter Strömung und wechselhaftem, aber grundsätzlich freundlichem Wetter in Richtung Holzminden. Als Pausenstelle hatte sich auf km 67,4 der Campingplatz „Wesercamping“ in Höxter angeboten. Leider passte die Mittagspause des Bistros auf dem Platz (bis 15:00 Uhr) nicht zu unserer vorgesehenen Ankunftszeit (ca. 13:00 Uhr). ABER: In der Vorbereitung hatten wir Kontakt zum Platz aufgenommen und über uns erzählt. Die Aussicht auf 15 Paddelanten, die mit Sicherheit ein Kaltgetränk goutieren und wahrscheinlich auch etwas essen würden, veranlasste die (nicht nur deswegen sehr nette) Chefin, die Mittagspause zu verkürzen (oder vielleicht sogar ganz zu streichen?). Schlussendlich bestellte JEDE(R) einen Imbiss, der eindeutige Favorit war die extrem lange und leckere Currywurst mit Pommes. Eine Pause, wie sie im Buche steht.
    So weit gestärkt konnten wir dann den letzten Abschnitt in Angriff nehmen. Nach dem Passieren der historischen Klosteranlage Corvey und einer weiterhin flotten Fahrt erreichten wir Holzminden in guter Zeit, holten die Autos nah an die Anlegestelle heran und luden die Boote auf. Jede(r) packte mit an, so dass die Sache schnell erledigt war. Zum Abschlussessen hatten wir ausreichend Plätze im Restaurant „Weserstübchen“ reserviert (hier gibt es weder Homepage noch Email-Adresse, dafür aber ein Telefon: 05531 4678). Wir brachten die Autos wieder zum Parkplatz Stahler Ufer und liefen zu Fuß zum Restaurant. Bei leckerem und reichhaltigem Essen machte das Beisammensein noch einmal richtig Spaß.
    Abschließend fuhren dann alle zurück zu ihren Unterkünften in Beverungen bzw. Lauenförde.

  5. TAG (HEIMFAHRT)
    Die meisten der Teilnehmer trafen sich am Sonntag Nachmittag am Heimat-Club und luden gemeinsam die Boote ab.
    Nach einhellig kundgetaner Meinung eine rundum gelungene Tour, an der alle ihren Spaß hatten. Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!